INFORMATIONEN FÜR ÄRZTE

 

Welche Routineuntersuchungen braucht ein Patient für eine Anästhesie?

Zusatzuntersuchungen bei entsprechendem Risiko

Risikoabschätzung

Welche präoperativen Dauermedikamente sollen am OP Morgen weitergegeben werden?
Welche Medikamente müssen ab- oder umgesetzt werden
?

Impfungen und Anästhesie









Welche Routineuntersuchungen braucht ein Patient für eine Anästhesie?

Routine Untersuchungen bei ASA I und II Patienten (asymptomatisch, Eingriffe mit geringen Blutverlust)

Alter

Anamnese und körperl. Untersuchung

Labor

EKG

Rö-Thorax

< 40 J

++

(Gerinnung)*

0

0

40-64 J

++

(Gerinnung)*

(+)

0

65-74 J

++

Hb, Bz, Na+, K+, Kreatinin, Harnstoff, (Gerinnung)*

+

0

> 75 J

++

Hb, Bz, Na+, K+, Kreatinin, Harnstoff, (Gerinnung)*

+

+

+ = notwendig

(+) = evtl. notwendig

0 = nicht notwendig

* Quick, PTT, Thrombozyten bei evtl. geplanter rückenmarksnaher Regionalanästhesie oder
je nach Eingriff sind aus chirurg. Sicht weitere Laborwerte notwendig z.B.:
bei HNO-Eingriffen (wie AT, TE): kleines Blutbild, Quick, PTT, Blutungszeit
bei Kinderchirurgischen-Eingriffen: werden diese vom Kinderchirurgen festgelegt
bei Neurochirurgischen-Eingriffen: kleines Blutbild, Quick, PTT

 

 

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Zusatzuntersuchungen bei entsprechendem Risiko

Risikokonstellation

Labor

Zusatzuntersuchungen

Herz-Kreislauf Erkrankung
(Z.n. Myokardinfarkt, Vitium, 
Herzinsuffizienz)

Kreatinin, Harnstoff

EKG, Rö-Thorax

evtl. Langzeit-, Belastungs-EKG, Echokardiographie, Lufu, BGA,
internistisches Konsil, Carotis Doppler

Lungenerkrankung (obstruktiver / restriktiver Ventilationsstörung)

 

EKG, Rö-Thorax, BGA, Lufu

Adipositas permagna

 

EKG, Rö-Thorax, BGA, Lufu

Nierenerkrankung

Hb, Na+, K+, Kreatinin, Harnstoff

 

Lebererkrankung

GOT, GPT, g-GT, Gerinnung*

 

Diabetes mellitus

BZ, Na+, K+, Kreatinin, Harnstoff

 

Gerinnungsstörung

Hb, Blutgruppe, großer Gerinnungsstatus#

 

erwarteter großer Blutverlust

Hb, Blutgruppe, Gerinnung*

 

klinischer Verdacht auf Hyperthyreose

T3, T4, TSH

 

maligne Tumore

Hb, Blutgruppe, Gerinnung*

 

Therapie mit Diuretika, Digitalis oder Lithium

Na+, K+, Kreatinin, Harnstoff

 

Therapie mit Kortikosteroiden

BZ, Na+, K+

 

Therapie mit Antikoagulantien

Hb, Blutgruppe, Gerinnung*

 

*Gerinnung (Quick, PTT, Thrombozyten)
# großer Gerinnungsstatus (Gerinnung, ATIII, ggf. Blutungszeit, Faktorenanalyse)

 

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Risikoabschätzung

nach der ASA Klassifizierung (American Society of Anesthesiologists)

ASA

 

zur ambulanten Anästhesie

I

normaler gesunder Patient

geeignet

II

Patient mit leichter Systemerkrankung

geeignet

III

Patient mit schwerer Systemerkrankung und Leistungsminderung

bedingt geeignet

IV

Patient mit schwerster Systemerkrankung und konstanter Lebensbedrohung

nicht geeignet

V

moribunder Patient, der mit oder ohne OP die nächsten 24 Std. voraussichtlich nicht überlebt

nicht geeignet

VI

für hirntot erklärter Patient im Rahmen einer Organentnahme

 

 

nach der NYHA Klassifizierung (New York Heart Association)

NYHA

 

zur ambulanten Anästhesie

I

Herzkranke ohne Beschwerden im täglichen Leben

geeignet

II

Herzkranke mit Beschwerden unter starker Belastung

geeignet

III

Herzkranke mit Beschwerden bei leichter Belastung

bedingt geeignet

IV

Herzkranke mit Beschwerden bereits in Ruhe, schwerste Einschränkung der Leistung

nicht geeignet

 

Anästhesie und Adipositas

 

BMI (kg/m²)

Risiko für Begleiterkrankungen

Untergewicht

< 18.5

niedrig

Normalgewicht

18.5 - 24.9

durchschnittlich

Übergewicht
     
Präadipositas
      Adipositas Grad I
      Adipositas Grad II
      Adipositas Grad III

> 25.0
25 - 29.9
30 - 34.5
35 - 39.9
> 40


gering erhöht
erhöht
hoch
sehr hoch

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Welche präoperativen Dauermedikamente sollen am OP Morgen weitergegeben werden?
Welche Medikamente müssen ab- oder umgesetzt werden?

Weitergeben von Medikamenten am Morgen des OP Tages

Antihypertensiva

 

ß-Blocker

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzen von ß-Blockern Rebound möglich (RR
­, Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, sowie Angina pectoris bei Koronarkranken) Kardioprotektion bei kardialen Risikopatienten

Ca-Antagonisten

Präoperativ weitergeben!
perioperative Weiterführung von Ca-Antagonisten gilt als vorteilhaft

ACE-Hemmer, Angiotensin II-Rezeptor-Antagonisten

Präoperative Gabe kontrovers diskutiert
ACE-Hemmer und Angiotensin II-Rezeptor-Antagonisten nur bei schlecht eingestelltem Hypertonus oder wenn OP-Termin erst am Nachmittag

Nitrate, Molsidomin

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzen
­ Gefahr von Myokardischämien

a-2-Agonisten

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzen Clonidin Entzugssyndrom, Kardioprotektion bei kardialen Risikopatienten

Antiarrhythmika

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzen
­ Gefahr von Arrhythmien

Antikonvulsiva

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzten
­ Krampfgefahr, evtl. Serumspiegel: bei Carbamazepin (Tegretal) 5-10 mg/dl, Phenytoin (Zentropil) 15 mg/dl

Parkinsonmittel

Präoperativ weitergeben!
bei Absetzen Verstärkung der extrapyramidalen Symptomatik (kurze Halbwertszeit von Levodopa)

 

Ab- oder Umsetzen von Medikamenten

Retard-Insulin

bis Vortag

orale Antidiabetika

 

Biguanide (Metforminhaltige Arzneimittel)

2 Tage präoperativ absetzen! und erst 2 Tage postoperativ wieder ansetzen! ® Gefahr einer Laktatazidose (Das Bundesinstitut für Arznei­mittel  berichtet seit 1990 über 30 Fälle, von denen 50% letal verliefen)

Sulfonylharnstoffe z.B. Glibenclamid, Tolbutamid u.a.

bis Vortag;
stimulieren die Insulinsekretion ® auch postoperativ Hypoglykämien möglich

Acarbose

verzögert die Absorption von Kohlehydraten im Darm ® keinen Effekt auf Anästhesie

Digitalis

bis Vortag;
lange HWZ (bei Tachyarrhythmia absoluta evtl. bis OP Tag)

4K+ Kontrolle 4 Cave: Niereninsuffizienz, Ca++ ­, K+¯, Insulin

Theophyllin

bis 12 Stunden präop.

Schilddrüsenhormone

bis Vortag

Thyreostatika

bis Vortag;
bei weiterem klinischen V.a. auf Hyperthyreose T3, T4 und TSH Kontrolle

Diuretika

bis Vortag;
4K+ Kontrolle

Alpha-Adrenozeptoren-Blocker

bis Vortag

Thrombozytenaggregations­hemmer (ASS)

7-10 Tage vorher absetzen, bes. bei Regionalanästhesie und Eingriffe mit ­ Blutungsgefahr

Nicht-Steroidale-
Antirheumatika (NSAR)

1-2 Tage vor geplanter rückenmarksnaher Regionalanästhesie absetzen

Cumarine

3-5 Tage vorher auf Heparin Perfusor umstellen (Absprache mit Operateur), Quick Wert Kontrolle

Kortikoiddauertherapie über Cushingschwelle

100-300 mg Hydrokortison perioperativ

Lithium

bis Vortag;
4 Na+, K+ Kontrolle, Lithiumspiegel sollte < 1,2 mmol/l sein, (Cave Na+ ¯)

trizyklische Antidepressiva

bis Vortag;
Nutzen-Risiko Abwägung. hemmen die Wiederaufnahme von Neurotransmittern ® Wirkungsverstärkung von Katecholaminen ® Hypertonie, Tachykardie

Neuroleptika

bis Vortag;
wirken alle antidopaminerg, anticholinerg und antiadrenerg

Monoaminooxidase-Hemmer

vor elektiven OP möglichst 2 Wochen vorher Umsetzen auf selektive, reversible Präparate der 3.Gerneration;
wenn nicht möglich Weitergabe unter Beachtung der Wirkung auf Kreislauf.

Kontraindikationen von Pethidin, Tramadol u. Dextrometorphan ®exzitatorische Reaktionen (Atemdepression, Koma);
keine indirekten Sympatho­mimetika (Ephedrin)
®hypertensive Krisen;
Vermeidung von Hypoxie, Hyperkapnie und Hypotonie

1.Generation: z.B. Tranylcypromin, Isocarboxazid, Phenelzin

nichtselektiv und irreversibel

2.Generation: z.B. Clorgylin, Deprenyl

selektiv und irreversibel

3.Generation: z.B. Moclobemid, RO-19-6327

selektiv und reversibel

selektive Serotonin-Wiederaufnahme­hemmer (SSRI) z.B. Fluoxetin, Paroxetin, Fluvoxamin, Sertralin

bis Vortag;
Absetzen kann zu Angst, Unruhe, Diaphorie führen.

Hemmung des Abbaus anderer Cytochrom-P450-System­abhängiger Medikamente; Abbau von Midazolam deutlich erhöht

Cave Serotonin-Syndrom nach z.B. Pethidin, Tramadol, Pentazocin, Dextrometorphan, MAO-Hemmer mit Hyperthermie, veg. Instabilität, Bewusstseinstörung bis Koma

Auswahl von metforminhaltigen Antidiabetika (Biguanide):
Diabetase, Glucophage, Mediabet, Meglucon, Mescorit, Met, Metfogamma, Thiabet, Biocos, Diabesin, Glucobon, Siofor, Metformin-ratiopharm, Metformin-Stada und andere Generika

Auswahl von tri- und tetrazyklischen Antidepressiva:
Anafranil, Aponal, Equilibrin, Gamonil, Idom, Insidon, Laroxyl, Ludiomil, Nortrilen, Noverol, Pertofran, Saroten, Sinquan, Stangyl, Tofranyl, Tolvin, Trausabun, Tryptizol; Kombinationen: Benpon, Limbatril, Longopax, Pantrop

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Impfungen und Anästhesie

vor elektiven Operationen sollten folgende Zeitabstände zwischen Impfungen und Anästhesie eingehalten werden:

Art der Impfung

 

Karenzzeit
Totimpfstoffe

Cholera

Diphtherie

Hepatitis

Influenza

Polio

Pertussis

Tetanus

3 Tage

Lebendimpfstoffe

BCG

Masern

Mumps

Polio

Röteln

14 Tage

Eine ungenügende Impfwirkung oder verstärkte Impfkomplikationen sind nicht belegt! Allerdings ist es ratsam, im Zeitraum, in dem üblicherweise Impfkomplikationen auftreten, von elektiven Eingriffen abzusehen.

Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)  Stand: Juli 2006

Zeitabstand zwischen Impfungen und Operationen

Bei dringender Indikation kann ein operativer Eingriff jederzeit durchgeführt werden, auch wenn eine Impfung vorangegangen ist. Bei Wahleingriffen sollte nach Gabe von Totimpfstoffen ein Mindestabstand von 3 Tagen und nach Verabreichung von Lebendimpfstoffen ein Mindestabstand von 14 Tagen eingehalten werden.

Weder klinische Beobachtungen noch theoretische Erwägungen geben Anlass zu der Befürchtung, dass Impfungen und operative Eingriffe inkompatibel sind. Um aber mögliche Impfreaktionen und Komplikationen der Operation unterscheiden zu können, wird empfohlen, zwischen Impfungen und Operationen diese Mindestabstände einzuhalten.

Diese Mindestabstände gelten, mit Ausnahme von Impfungen aus vitaler Indikation (z.B. Tetanus-, Tollwutschutzimpfung), auch für die Durchführung von Impfungen nach größeren operativen Eingriffen. Nach Operationen, die mit einer immunsuppressiven Behandlung verbunden sind, z.B. Transplantationen, sind Impfungen in Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt zu planen. (STIKO)

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